Auf meiner Reise von Finnland zurück in die Schweiz kam ich bei meinem letzten Halt, in Warschau, an. Nach fast zwei Wochen Reisen und bereits vier neuen Städten, die es zu erkunden gab, war ich müde und nicht mehr ganz so neugierig auf die polnische Hauptstadt. Trotzdem machte ich mich natürlich an meinem ersten Morgen auf den Weg, um mich mit der Stadt bekannt zu machen. Warschau hat mich mit offenen Armen empfangen und während mehreren Momenten sprachlos gemacht.
Auf dem Weg zur Warschauer Altstadt
Durch die bekannte Königsstrasse schlendere ich durch Warschau. Ich nehme mir Zeit und schaue mir jedes Haus ganz genau an. Diese Farben, diese Details und diese Strukturen sind einfach unglaublich. Es ist Winter, Weihnachten ist noch nicht so lange her. Es scheint, als würden sich die Schaufenster untereinander battlen, welches jetzt wohl das Schönste ist. Lichterketten, Girlanden, Tannenbäume, Weihnachtsmusik und Glitzer kommen hier nicht zu kurz. Da kommt sogar bei einem Grinch wie mir Weihnachtsstimmung auf, und das im Januar.
Nachdem ich die Universität, die Bibliothek, den Palast des Präsidenten und andere prunkvolle Gebäude passiert habe, komme ich auf den Schlossplatz und es verschlägt mir den Atem. Einladend, stolz und voller Geschichte scheint mich dieser Platz zu umarmen. Ich stehe eine Weile still und lasse das alles auf mich wirken. Der grosse, farbig geschmückte Weihnachtsbaum ziert die sonst schon magische Umgebung. Mir fallen Schneeflocken auf die Nasenspitze und der kalte Winterwind weht mir meine Kapuze vom Kopf.
Aussichtsplattformen
Auf dem Schlossplatz befindet sich auch einer der Aussichtstürme – der Glockenturm der St.-Anna-Kirche. Ich muss sonst nicht immer alle touristischen Attraktionen mitmachen und sowieso nicht hunderte von Franken (oder Euros oder Polnische Zloty) dafür ausgeben. Aber ich wollte auf diesen Turm und die unglaublich schöne Altstadt von oben sehen. Drei Polnische Zloty, meinte der ältere Herr. Mit Karte?, frage ich. Nein, sagt er, nur Bargeld. Ich habe nur noch einen Euro in der Tasche, den ich als Glücksbringer behalten habe (ich mache das immer so, ist das komisch?) Es ist mir den Aufwand nicht wert, einen Geldautomaten zu suchen und Gebühren fürs Abheben zu bezahlen. Ich lasse es also traurigerweise sein mit der Aussicht.
Weihnachts- und Winterzauber in Warschau
Ich mache mich auf den Weg, lasse mich von meinem Gefühl leiten. Die engen Gässchen mit ihrer einmaligen Architektur ziehen mich in ihren Bann. Auch hier herrscht noch Weihnachtsstimmung, aus allen Ecken riecht es nach heisser Schokolade und Lebkuchen.
Auf dem Markplatz angekommen, finde ich eine grosse Eisbahn inmitten von kleinen Markständen. Wie aus dem Märchenbuch. Ich könnte ewig durch diese Altstadt spazieren.
Markthallen und Shopping
Es schneit immer noch. Meine Zehen spüre ich in meinen Sneakern seit einer Weile nicht mehr. Ich fliehe in das erste öffentliche Gebäude, das ich antreffe: die Universitätsbibliothek. Von der kalten Winterstimmung gelange ich hier in eine Art Dschungel. Grüne Pflanzen überall, hohe, lichtdurchflutete Räume, und um mich herum Studierende, die sich auf Polnisch, Englisch, Französisch und Italienisch unterhalten. Ich ziehe meinen Schal aus und gehe zum Empfang. Ob ich die Bibliothek besuchen dürfe, frage ich. Leider nein, meint die junge Frau am Empfang, aber sie könne mich für umgerechnet vier Schweizer Franken registrieren. Sie wüsse aber nicht, ob sich das lohne, es seien ja schliesslich, Achtung Zitat: “nur Bücher auf Regalen”. Ich gebe ihr mit einem kleinen Stich im Herzen Recht und verlasse den Dschungel mit etwas wärmeren Füssen wieder.
Die nächste Möglichkeit, mich vor der Kälte zu verstecken, ist das Electrownia Einkaufszentrum. Was früher wohl eine Fabrik oder Lagerhalle war, wurde nun zum Einkaufszentrum umgenutzt. Auch hier wird mir ganz klar vor Augen geführt: Weihnachten ist hier noch nicht vorbei!
Wenn wir schon bei Shopping sind: In der Markthalle Hala Koszyki gibt es verschiedene kulinarische Köstlichkeiten von aller Welt. Nicht nur ist das Essen super lecker, sondern auch die Halle an sich ein Highlight!
Polnische Pierogi und Cafés
Meine Lieblingsdinge auf Reisen: Cafés, Markthallen, Cafés, Secondhandshops, Cafés, Altstädte, Cafés, Bücherläden und Bibliotheken, und Cafés. Es ist mein Traum, wie wohl jeder Millennial Frau in ihren 30ern, ein Café inkl. Bücherladen, inkl. Secondhandshop, inkl. Krimskrams zu besitzen.
In Warschau habe ich meinen Traum im Café Relax gefunden. Praktischerweise gleich neben meinem Airbnb. Das Frühstück, der Kaffee und das Ambiente waren dort so gut, dass ich für die restlichen Tage gar kein neues Café gesucht habe. Ich bin einfach jeden Tag wieder dorthin.
Wenn ich von meinem Airbnb in die andere Richtung spaziert bin, stiess ich dort auf das Restaurant Patelnia Patera. Dort ass ich typische Polnische Pierogi, gefüllt mit Rindfleisch. Hier ist auch einfach alles so ultra günstig im Vergleich zur Schweiz (gut, in welchem Land ist es nicht günstig im Vergleich zur Schweiz?).
Auf jeden Fall bin ich verliebt in Warschau. Diese Stadt hat mich völlig unerwartet mitten ins Herz getroffen. Die Altstadt, das Essen, die Menschen, einfach alles. Ich werde auf jeden Fall im Sommer wiederkommen. Es würde mich nicht überraschen, wenn dann immer noch Weihnachtsbäume auf den Strassen rumstehen würden.

0 Kommentare