Titel Überfischung

Gibt es Überfischung wirklich?

Nachdem ich die Netflix Doku «Seaspiracy» gesehen habe, habe ich sofort aufgehört Fisch zu essen. Die Umstände, unter welchen Fisch gefangen wird, haben mich schockiert. Der Zufall wollte es so, dass ich ein paar Monate später meine Reise nach Norwegen angetreten habe. Ich habe die Frage rund um das Thema Überfischung mitgenommen und mit Einheimischen darüber gesprochen.

 Überfischung am Nordkap?

Zum ersten Mal auf dieser Reise das offene Meer gesehen habe ich dann im Norden Norwegens. Und zwar nicht irgendwo, sondern am Nordkap. Dort bin ich auf Ruben gestossen. Er betreibt dort mit seiner Frau und seinem Schwiegervater ein Camp für Fischerreisen. Gleich am ersten Abend nahm er mich mit auf sein kleines Boot und wir fuhren hinaus aufs offene Meer. Wir waren sogar nördlicher als der nördlichste Punkt auf dem Festland Europas. Die Mitternachtssonne schien und die Stimmung war unbeschreiblich

Mitternachtssonne

Während dem wir dort sassen, einen Kabeljau nach dem anderen aus dem Wasser zogen und die umwerfende Stimmung genossen, sprach ich ihn dann auf das Thema an, das mich schon die ganze Zeit beschäftigte: Die Überfischung. Ich erzählte ihm von den Dokus, die ich in der Schweiz geschaut habe und fragte ihn, was seine Meinung dazu ist. Nicht schlecht staunte ich, als er meinte, dass in Norwegen alles reguliert sei. Es sei klar aufgeteilt wer wann wie viel Fisch fangen darf und ich könne ohne schlechtes Gewissen norwegischen Fisch essen in der Schweiz. Irgendwie überzeugte mich diese Aussage nicht wirklich.

Überfischung im Reisa Nationalpark?

Ein paar Tage später befanden wir uns dann im Reisa Nationalpark, ebenfalls in Norwegen. Dort lernte ich Steffen kennen. Mit ihm machte ich einen Ausflug zum berühmten Wasserfall Mollisfossen. Die ganze Fahrt über befanden wir uns auf einem Fluss, aus dem Lachs gefischt wird. Ich packte die Chance und fragte auch ihn nach seiner Meinung zum Thema Überfischung. Er erzählte mir, dass in diesem Fluss nur «catch and release» betrieben wird. Der Fisch wird also gefangen und danach gleich wieder frei gelassen. Er merke ganz klar, wie der Lachs immer weniger wird. Seiner Meinung nach sollte Fischessen komplett verboten werden. Auch mit dieser Aussage konnte ich mich nicht wirklich anfreunden.

Reisa Valley

Überfischung in Uloya?

Wieder ein paar Tage später befand ich mich auf Uloya, einer Insel, immer noch in Norwegen. Dort fand ich Svein. Einen Menschen, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Auch er nahm mich mit auf sein Boot und wir erkundeten die Gewässer rund um die Insel.

In der Ferne erkannte ich Lachsfarmen und ich leitete das Gespräch wieder auf das Thema Überfischung. Svein antwortet mir mit viel Geduld un Wissen auf meine Fragen. Seine Meinung dazu war, dass es immer darauf ankommt, welcher Fisch gefangen wird und wie viel davon. Lachs zum Beispiel sei sehr beliebt und es werde zu viel davon gefangen. Die Lachsfarmen, von denen ich in Norwegen etliche gesehen habe, werden als ökologische Alternative verkauft, was jedoch nicht stimme. Der Lachs werde dort gezüchtet und mit Chemikalien gefüttert. Da die Netze immer am gleichen Ort im Wasser stehen, sammle sich der ganze Kot der Tiere am Meeresgrund und erstickt alles Leben dort.

Auch bedenklich sei der Thunfisch fang, da der Beifang bei diesem Fisch enorm ist. Der Thunfisch wid mit grossen Netzen aus dem Meer gezogen. Alles, was sonst noch im Netz landet, kommt weg. Delphine werden getötet, damit sie nicht uns Menschen den Thunfisch wegessen. Das ist alles schon sehr bedenklich.

Von anderen Fischarten gebe es jedoch genug. Da sei es auch in Ordnung diese z.B. privat zu fischen. In Norwegen seien die Regulationen für den Fischfang sehr streng. Gemäss Svein sei es ok, einheimischen Fisch zu essen.

Uloya

Blumen plfücken

Eine von Sveins Aussagen, die mir für immer bleiben wird, ist folgende: «Es gibt gelbe, rote und blaue Blumen. Wenn wir immer nur die Roten pflücken, gibt es irgendwann nur noch Gelbe und Blaue. Dann pflücken wir alle Gelben und dann bleiben nur noch die Blauen. Wenn wir diese dann auch noch pflücken, haben wir gar keine Blumen mehr.»

Und damit hat er vollkommen recht. Warum müssen wir immer Lachs und Thunfisch essen, wenn es noch so viele andere Fische gibt, die nicht gefährdet sind? Wieso können wir nicht auf Fisch verzichten und ihn nur essen, wenn wir am Meer sind und das Erlebnis viel authentischer ist?

Die Reise nach Norwegen und vor allem das Treffen mit Svein hat mich und mein Verhalten nachhaltig beeinflusst. Ich esse Fisch nur noch, wenn ich an einem Gewässer bin, aus dem der Fisch stammt und ich die Umstände, unter welchen der Fisch gefangen wurde, kenne. Auf Lachs und Thunfisch verzichte ich komplett.  Auch bei den Labels zu «nachhaltigem Fischfang» bin ich sehr skeptisch. Meiner Meinung nach kann es nicht nachhaltig sein, einen Fisch im Norden Norwegens, oder gar noch weiter weg, zu fangen und ihn dann bis in die Schweiz zu bringen.

Also essen wir den Fisch, wenn überhaupt, da wo er herkommt, und geniessen wir die Erfahrung. Das ist doch das Schöne am Reisen, etwas zu erleben, was wir zuhause nicht können. So können wir uns auf viele weitere Abenteuer freuen!

2 Kommentare

  1. Natascha

    UND am Meer schmeckt der Fisch sowieso um einiges besser 🙂
    Toller Beitrag!

    Antworten
    • Marina

      Liebe Natascha
      Da hast du vollkommen recht! 🙂

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.