Titel Vegan Essen

Ist vegan Essen nachhaltig?

Natascha Rubin, meine Cousine, ernährt sich seit drei Jahren mehrheitlich vegan. Auch ich versuche seit einiger Zeit möglichst auf Fleisch zu verzichten und habe begonnen, Alternativen zu tierischen Produkten auszuprobieren. Immer wieder ist mir der Gedanke gekommen, was am veganen Essen eigentlich so umweltfreundlich sein soll. Eine Avocado von wo auch immer bis in die Schweiz zu befördern kann doch nicht nachhaltig sein? Deswegen habe ich mich mit Natascha getroffen. Sie hat sich zu diesem Thema bereits vertiefter Gedanken gemacht und konnte mir meine Fragen beantworten. Das Ergebnis findest du hier.

Natascha kocht

Liebe Natascha, warum ernährst du dich mehrheitlich vegan?

Während meiner Ausbildung kam ich das erste Mal in Kontakt mit der veganen Ernährung. Damals, als alle noch dachten, die pflanzliche Ernährung sei nur ein vorübergehender Hype, habe ich vegane Ernährung das erste Mal ausprobiert. Mehr als Reis und Gemüse kam aber in dieser Zeit nicht auf den Teller. Ich hatte schlicht keinen Plan, was man alles machen konnte und es gab zu dieser Zeit noch nicht so viele Rezepte, die wirklich lecker waren. Ich gab das Experiment «vegan» nach einer Woche wieder auf. Aber ich hatte fast immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich tierische Produkte zu mir nahm. Es fühlte sich für mich nicht richtig an.

Drei Jahre später habe ich zwei Netflix Dokus geschaut «What the health» und «Cowspiracy». Danach habe ich direkt auf vegan umgestellt. Schlussendlich der Umwelt zuliebe und weil die Emissionen für Transport von Lebensmitteln niemals die Emissionen übersteigen, welche durch die Viehzuchthaltung, ausgestossen werden. 

Avocado aus Peru oder Rind aus der Schweiz? Ganz ehrlich, ich würde weder das eine noch das andere im Übermass konsumieren. Mittlerweile geht es mir mehr um das richtige Mass und die Wertschätzung gegenüber dem, was ich esse, als darum, einen strikten Ernährungsplan zu verfolgen. Ich esse ab und zu wieder Käse, Milch brauche ich nicht: es gibt tolle Alternativen. 

Das Wissen, dass tierische Produkte hauptverantwortlich sind für unsere Umweltverschmutzung, sollte aber für jede/n Grund genug sein, seinen Konsum mindestens zu überdenken oder an einigen Tagen umzustellen. Weniger ist mehr. 

Vegan Spaghetti

Wie fühlst du dich seither körperlich? Merkst du eine Veränderung?

Ich fühle mich gut. Seit ich mich so ernähre, habe ich mehr Energie und bin leistungsfähiger. Jedoch ist es wichtig, dass ich mich ausgewogen ernähre. Vegan ist nicht gleich gesund. Es gibt gute Alternativprodukte, die meisten sind jedoch zu sehr verarbeitet. Deshalb versuche ich, so oft es geht, selbst zu kochen.

Fällt es dir schwer, pflanzliche Ersatzprodukte zu finden?

Mittlerweile ist die Auswahl riesig. Bezüglich Take-Away-Produkte gibt es aber je nach Stadt immer noch grosse Unterschiede. 

Ich empfehle folgende Kochbücher für eine frische vegane Küche:

Gibst du für vegane Produkte mehr Geld aus?

Da ich meistens frisch koche, gebe ich ungefähr gleich viel Geld aus wie vorher. Ein veganes Burger patty und ein richtiges Burgerpatty haben beispielsweise fast den selben Preis. Es ist richtig, dass man sich vegan teuer ernähren kann, aber im Endeffekt muss man einfach wissen, wo man einkaufen soll. Dies gilt jedoch nur für Ersatzprodukte (z.B. veganer Reibkäse).

Lidl beispielsweise hat ein super veganes Angebot, welche sehr preiswert ist. Im Coop oder Migros zahle ich für vegane Ersatzprodukte fast 3x so viel. 

Kocht man frisch und mit wenig Ersatzprodukten, kann vegane Ernährung sogar günstiger sein als tierische Ernährung.

Vegan Food

Was ist am Fleischkonsum nicht nachhaltig?

«Der ökologische Fußabdruck tierischer Produkte ist im Vergleich zu anderen Lebensmitteln sehr groß.  Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen 7 und 28 Kilo Treibhausgase, während Obst oder Gemüse bei weniger als einem Kilo liegen.» Quelle

Wenn man die Weidefläche für den Gemüseanbau benutzen könnte, könnten wir mehr Gemüse produzieren. Eine Kuh isst und trinkt mehr als wir. Deswegen macht es keinen Sinn zuerst die Kuh zu füttern und dann die Kuh zu essen. Es ist ein Zwischenschritt, den wir uns sparen könnten. Klar gibt es Berggebiete, in denen keine Pflanzen angebaut werden könnten. Aber im Vergleich zur ganzen Welt ist dies nur ein kleiner Teil. Eine Kuh trinkt zwischen 50 und 100 Liter am Tag, in der Schweiz ist das kein Problem, weil wir viel Wasser haben, aber in anderen Ländern ist die Viehzucht gerade deswegen unnötig und unverantwortlich. Als Beispiel nenne ich hier die Al Safi Farm in der Nähe von Riad. Ich empfehle euch den Film «Cowspiracy» zu schauen. Hier wird ausführlich über die umweltbezogenen Nachteile der Viehzucht berichtet.

Es ist zu beachten, dass eine vegetarische Ernährung in Bezug auf die Umwelt nicht zwingend besser ist als eine fleischreiche Ernährung. Jedes Nutztier, auch eine Milchkuh, wird erstens irgendwann geschlachtet und zweitens verursacht sie immer noch einen hohen ökologischen Fussabdruck. Für die Umwelt wäre es gut, wenn wir nicht nur weniger Fleisch sondern auch weniger Milch, Käse, Eier etc. essen. Wer sich nicht ganz umstellen will, kann auch einen veganen Wochentag einführen. Bereits diese Umstellung kann etwas bewirken. 

Es geht darum ein Bewusstsein und eine Dankbarkeit gegenüber dem Luxus zu entwickeln, den wir in den westlichen Ländern haben und nicht kopflos und ignorant die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, aufzubrauchen.

Verzicht kann auch etwas Schönes sein. Verzicht ist ein Beitrag für andere, für zukünftige Generationen, für die Tiere und in Bezug auf die Ernährung auch oft eine Handlung zu Gunsten unseres Körpers und unserer Willensstärke.

Vegan Dessert

Was hältst du von veganen Burgern, Würstchen, etc.?

Ich esse sie manchmal als Alternative zu echtem Fleisch und finde sie wirklich lecker und mit Sauce finde ich den Geschmacksunterschied zu Originalprodukten minimal. Jedoch sind sie, wie schon erwähnt, oft stark verarbeitet. Jedoch ist eine normale Wurst oft auch verarbeitet, deswegen finde ich beide Optionen nicht gut für den täglichen Konsum. 

Ist es wirklich besser für die Umwelt vegane Produkte von weit weg zu konsumieren anstatt tierischer Produkte aus der Heimat?

Tierische Lebensmittel zählen zu einem der grössten Treiber der Klimakrise und verursachen laut der Welternährungsorganisation FAO 18 % der globalen Treibhausgase. Dies ist mehr als alle Flugzeuge, Schiffe, Autos und Motorräder weltweit zusammen produzieren.

Daraus schliesse ich, dass es für die Umwelt besser ist, eine Banane aus Südamerika zu essen, statt eine Stück Filet aus Schweizer Rind. Aber man sollte sich bewusst sein, dass beides nicht von Vorteil für die Umwelt ist. Deswegen ist es wichtig auch als Veganer auf die Herkunft der Produkte zu achten. Veganes Soya und Quinoa aus der Schweiz sind schlussendlich sicherlich besser als tierische Produkte aus der Schweiz und das gibt es. Schweizer Quinoa gibt es z.B. bei Denner und Schweizer Soya Produkte kriegt man von soyana und anderen Herstellern. Mal abgesehen von Kartoffeln, Äpfeln, Birnen, Getreide etc. , welche man sowieso aus der Schweiz beziehen kann. 

Ich möchte dazu noch erwähnen, dass Veganer nicht dafür verantwortlich sind, dass der Regenwald abgeholzt wird. Soya wird in Südamerika vorallem als Futter für Vieh angebaut. Der menschliche Konsum ist im Vergleich nur ein sehr sehr kleiner Teil.

Vegan

Wie ernährst du dich auf Reisen?

Als erstes suche ich immer nach veganen Restaurants in meinem Reiseziel. Je nach Ort gibt es eine grosse Auswahl oder eben nicht. In Budapest habe ich mich auf Grund der grossen Auswahl nur vegan ernährt. In einem kleinen Dorf in Italien wird es da eher schwierig. Manchmal probiere ich daher auch Spezialitäten meines Ferienziels aus, auch wenn es tierische Produkte sind. Dies vor allem auch, wenn ich mit anderen reise. Wenn ich allein reise, habe ich kein Problem eine Weile laufen zu müssen, um vegan essen zu können. Für meine Begleitpersonen ist das jedoch oft eine Zumutung.

Folgend einige Empfehlungen für vegane Restaurants im In- und Ausland:

  • Las Vegan’s in Budapest

  • Szimply breakfast & brunch Budapest

  • Restaurant Marktküche in Zürich

  • Dapur in Zürich

  • Hans im Glück in Basel oder Bern

  • Vegan Bio Snackbar by Attila Hildmann in Berlin

  • Alcove in Koh Phangan (Thailand)

  • Karma Kafe in Koh Phangan (Thailand)

  • Bakery Bakery in Bern

Asiatische Restaurants haben generell eine grosse Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten. Daher kommt man im Asien Urlaub als Veganer oder Vegi nie zu kurz.  In Marokko hingegen habe ich mich eine Woche von Salat, Suppe und Couscous mit Gemüse ernährt. Die Auswahl war daher nicht sehr vielfältig. Bei Hotelaufenthalten kann ich empfehlen, im Vorfeld anzugeben, dass man sich vegan ernährt, dann kann das Hotel sich darauf vorbereiten. Es gibt nichts Unsinnigeres für die Küche, als wenn jemand spontan einen veganen 5-Gänger in einem «normalen» Restaurant erwartet. Deswegen unbedingt voranmelden, damit die Küche sich auf dich einstellen und dir ein tolles Angebot machen kann.

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